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Reine Formsache Drucken
Freitag, 17. Mai 2002

Im Fach Produktdesign haben deutsche Hochschulen einen guten Ruf. Ihre Ansprüche sind hoch: Der post-industrielle Designer muss Manager-, Ingenieur- und Design-Fähigkeiten vereinen- Als ich ein junger Mann war, wusste niemand, was Design ist. Hätte damals einer gesagt: 'Ich bin Designer', hätte jeder gefragt: 'Wie wird man das, und kann man davon leben?'", sagt Design-Ikone Richard Sapper.

Fünf Jahre vorausdenken

Was veranlasst einen Konzern wie Audi, in die Hochschule zu gehen? "Der Transportation-Designer ist der König unter den Formgebern. Von ihm werden zu den üblichen Qualifikationen noch prophetische Fähigkeiten erwartet – nicht in die unendliche Zukunft, aber fünf Jahre voraus. Denn so lange dauert die Entwicklung eines Fahrzeugs vom Entwurf bis zu dem Zeitpunkt, da es vom Band rollt. Wer die Zeichen der Zeit falsch deutet, setzt Milliarden in den Sand und spielt mit Tausenden Jobs." Die Beispiele Ford und Opel, wo Fahrzeuge vom Band direkt auf Halde fahren, weil sich der Konsument der Optik verweigert, bestätigen Wickenheisers These.

Schulterschluss

"Der Schulterschluss von Unternehmen und Ausbildungsinstitution ist vital: eine Gewinn bringende Situation für beide Seiten. Denn was da im Zuge des Projekts ,Generation A’ – einer Seminararbeit – entstanden ist, hat deutlich gemacht, dass heute die 18- bis 25-Jährigen Trends setzen. Auf die müssen wir schauen." Der das sagt, muss es wissen. Frank Lamberty ist Exterieur-Designer bei Audi, also der Mann fürs Hochglanzblech. Außerdem ist er Verbindungsmann zwischen Ingolstadt und "Generation A" – und Absolvent der Fachhochschule Pforzheim. 

Design wird weiblich

Die Vorlesungspläne lesen sich wie eine Kreuzung aus BWL- und Kunstgeschichtsstudium: Da steht Marketing neben ästhetischen Konzepten und Produktionszyklen neben Formen der griechischen Antike.Jeannine Spöth, frisch gebackene Diplom-Designerin der FH München, will sofort den Schritt in die Selbstständigkeit wagen. Denn obwohl die Münchener stolz auf eine 100-prozentige Vermittlungsquote verweisen, ist nicht immer der Traumjob dabei. "Und Industrie-Nähmaschinen zu gestalten – ohne Gestaltungsspielraum zu haben – ist nicht gerade die ultimative Herausforderung", sagt die 26-Jährige.

Der Olymp in Kalifornien

Der Sonderstatus zeigt sich schon während des Studiums. Während der "normale" hiesige Student alle Mühe hat, die obligatorischen Praktika einigermaßen mit Sinn zu füllen, lesen sich die Unternehmen auf dem Angebots-Board für Internships im AC wie das Who’s who der alemannischen Vorzeige-Konzerne. Da sucht BMW einträchtig neben Daimler-Chrysler und Audi. Und Porsches Offerte konkurriert mit der von VW. Auch Adidas, auf der Jagd nach dem Nike Marktanteil, sucht im Hinterland von Los Angeles nach Humanpotenzial mit Ideen. Und weil man mit den Praktikanten immer gut gefahren ist, werden mehrfach im Jahr On-Campus-Recruitments abgehalten.

 
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