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Abneigung ist der Anfang vom Ende Drucken
Donnerstag, 22. Februar 2007

Aspen Noch weht die Chrysler-Fahne vor dem Werk in Newark im US-Bundesstaat Delaware. Doch obwohl gerade erst aufwändig modernisiert, droht Ende 2009 das Aus. Weil hier Sprit fressende Geländewagen produziert werden, die sich kaum noch verkaufen lassen. Daimler Chrysler hat am Markt vorbei entwickelt und die Manager haben die falschen Fahrzeuge auf das Band gebracht. In Folge davon werden 2100 Mitarbeiter gehen. Die Menschen spüren, dass die guten Zeiten vorbei sind. Vor drei Jahren wurde Konzernchef Dieter Zetsche hier in Newark noch herzlich willkommen geheißen. Als er grünes Licht für die Produktion des bulligen Dodge Durango 2004 gegeben hat. Leider genehmigt der sich über 20 Liter in der Stadt. Eigentlich nebensächlich, denn heute sind hier nicht mehr viele gut auf Zetsche und  Bernhard zu sprechen, sagt Vorarbeiter Mark: "Es gibt bei einigen schon eine Abneigung gegen die deutschen Manager, die uns übernommen haben. Manche denken, dass das damals kein Zusammenschluss war, sondern eine Übernahme. Und dass die Deutschen schon lange vorhatten, das Werk zu schließen.”


Die Ehe zwischen Daimler Benz und Chrysler konnte doch gar nicht funktionieren, sagen hier viele. Weil die Unternehmenskulturen viel zu unterschiedlich waren. Das meint auch Vance Funk, Rechtsanwalt und Bürgermeister von Newark. Er ist 64 Jahre alt und lebt seit Jahrzehnten in Newark. Momentan ist er einzig damit beschäftigt, die Scherben dieser Firmen-Ehe aufzukehren, sprich: einen Käufer für das Daimler-Chrysler-Werk zu finden. "Das Werk ist in einem Super-Zustand. Die haben in den letzten fünf Jahren Millionen von Dollar investiert, um es zu erneuern. Es wäre sehr attraktiv für Honda, Toyota oder andere Firmen, die sich vergrößern wollen.”

Am Werkszaun hängt ein Plakat für den neuen Chrysler Aspen. Ein dicker Geländewagen, Verbrauch: 20,2 Liter pro hundert Kilometer im Stadtverkehr. "Leave the Caddy in the shack” steht da, was so viel heißt wie "Lass den Cadillac im Schuppen”. Dumm ist nur, dass auch die Wagen von Chrysler im Schuppen bleiben.

"Ich habe gewusst, dass Probleme kommen. Der schlechte Verkauf, die hohen Benzinpreise…all das. " John ist Karosseriebauer. Ein Arbeiter um die 50: Grauer Bart, müdes Gesicht und nach seiner Tagesschicht nicht gerade gesprächig. John steht vor dem Schnaps-Geschäft neben dem Werkseingang und öffnet die Papiertüte, in der eine Dose Bier verpackt ist. "Ich wusste, das würde kommen", sagt er noch einmal, "wir haben das seit Jahren vermutet. Das ist echt beschissen. Ich habe zwei junge Töchter, die aufs College gehen. Was wird jetzt werden? Was werde ich machen? Übernehmen die mich oder werde ich rausgeschmissen?"

Der typische Arbeiter hier hat keinen High-School-Abschluss. Er kennt sich im Autobau gut aus - aber eben auch nur da. Weil er schon als Teenager hier angeheuert und keine andere Firma kennengelernt hat. Warum auch? Chrysler hat ja immer ordentlich bezahlt und die Auto-Gewerkschaft ist mächtig. In einem Durchschnittsjob in Delaware verdient man gut 22 Dollar pro Stunde. In der Autoindustrie sind es dagegen fast 30 Dollar. Das reicht für ein Haus, für ein Auto und für die Ausbildung der Kinder.

So langsam bekomme ich den Eindruck, dass in den sogenannten High-Tech-Ländern sich die Automobilproduktion nicht mehr lohnt. Wer sagt denn, dass diese Situation nicht auch Sindelfingen oder in Wolfsburg sein könnte?

Wenn die Manager die Menschen nicht mehr in die Zukunft sondern in eine Sackgasse führen, dann geht vieles nicht mehr. Erfolg kommt auch über den Kopf. Das sind einerseits Ideen und Konzepte, aber auch der Mut an Neues zu glauben und auch das Visionäre im richtigen Moment zu tun. Da denke ich, ist am meisten daneben gegangen. Wenn man sein Pulver in aufwändigen, aber nutzlosen Prototypen verfeuert die kein Mensch braucht und das Gleichteilekonzept in einem gemeinsamen Satz Bremssätteln für den 300M (ver)endet.  

Natürlich sind das absolut abgefahrene Studien wie der Chrysler ME-four-twelve. Nur, auch ein Manager musste sich klar darüber sein, dass gerade Chrysler keinen Imageträger und auch kein zukunftsweisendes Volumenmodell hatte wie jeder andere deutscher OEM. Kein A4, kein 5er, keine E-Klasse. Den alten Jeep, den schrulligen PT-Cruiser für die wenigen ZZ-Top Fans, der verdengelte Crossfire mit veralteter SLK-Technik und der 300 M, welcher gerade mal mit einer Handvoll Gleichteile unterwegs ist. Die Viper mit ihrem 10-Zylinder LKW-Motor spielt den Antichrist für den Flottenverbrauch. Vom Jeep gar nicht zu reden. Nischenware, allradelnder General Purpose für Mutti zum Einkaufen. Das können die Japaner mittlerweile viel billiger und besser. Mit Hybrid wenn es denn sein muss.

Diese Defizite waren für alle Beteiligten im Vorfeld erkennbar. Für Schrempp, Bernhard und auch für Zetsche, welcher jetzt den Terminator machen muss.

Kein Wunder, wenn die Jungs bei Chrysler da drüben sauer sind. Verdammt wenig für 10 Jahre einer "Allianz unter Gleichen". Da kann ich nur die Daumen drücken, ob das noch gut geht. Fragt mal die BMW'ler. Die können sicher auch so einiges dazu erzählen von Allianzen unter Gleichen.

Denn letztendlich haben die Werker am Band das Thema Rover BMW gekippt.  

[Quelle: http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen mit eigenen Textinhalten ergänzt] 

 
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