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| Montag, 29. Januar 2007 | ||||
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Zehntausende Arbeitsplätze seien in Deutschland gefährdet, wenn die EU die CO2-Vorgaben für die Autoindustrie durchsetze - so die Warnung von Wirtschaftsminister Glos. "Absolut blödsinnig", findet das Gerd Lottsiepen von Verkehrsclub Deutschland. Gerade durch die Position von Glos drohe der Verlust von Jobs, sagte der Die gesamte Szene in den Automobilforen interessiert's recht wenig. Ich nehme an, die verstehen noch gar nicht, dass Ihre 20-Zöller demnächst auf 145 Schmalspur umbereift werden und das fette 100er Endrohr hinten mit der Kneifzange zugekniffen wird.
tagesschau.de: EU-Umweltkommissar Stavros Dimas will die Mitgliedsstaaten verpflichten, bei allen ab 2012 zugelassenen Autos den CO2-Ausstoß auf höchstens 120 Gramm pro Kilometer zu begrenzen. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos warnte für diesen Fall vor dem Verlust zehntausender Jobs. Wie sehen Sie das? Gerd Lottsiepen: Was Glos gesagt hat, halte ich für absolut blödsinnig. Seine Position gefährdet Arbeitsplätze, weil er nicht auf die Techniken von morgen setzt. In der deutschen Autoindustrie wird viel Geld mit Fahrzeugen verdient, die zu groß, zu schwer und zu schnell sind - und die entsprechend zu viel verbrauchen. Die Autos deutscher Hersteller produzieren durchschnittlich 170 Gramm CO2 pro Kilometer - also rund 50 Gramm mehr, als es 2012 sein sollen. Wenn Glos jetzt findet, dass die Autoindustrie weitermachen darf wie bisher, dann gefährdet er Arbeitsplätze in fünf Jahren oder zehn Jahren. tagesschau.de: Glos steht mit seiner Meinung nicht alleine da. Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von DaimlerChrysler, Erich Klemm, hat gesagt: "Wenn das so beschlossen wird, dann müssen wir unsere Fabriken schließen, in denen C-, E-, und S-Klasse produziert werden. Betroffen wären in Sindelfingen, Untertürkheim und Bremen rund 65.000 Arbeitsplätze." Zur Person : Gerd Lottsiepen ist verkehrspolitischer Sprecher des Verkehrsclubs Deutschland. Der Verein sieht sich als umweltbewusste Alternative zu den herkömmlichen Automobilclubs. Lottsiepen: Das ist genau so kurzsichtig wie das, was Glos sagt. Natürlich kann man die C-Klasse weiter bauen - aber die Autos müssten dann weniger verbrauchen. In Deutschland kann man sich allem Anschein nur vorstellen, dass Autos 200 PS haben und viel Sprit benötigen. Aber das ist kein Naturgesetz. tagesschau.de: Die aktuelle Diskussion erweckt den Anschein, als sei das EU-Vorhaben überraschend gekommen. Lottsiepen: Das stimmt nicht, das ist eine uralte Geschichte. Herr Glos muss das verschlafen haben. Im Jahr 1995 wollten die EU-Umweltminister für 2005 einen Grenzwert von 120 Gramm CO2 verabschieden. Die Autoindustrie ist damals Sturm dagegen gelaufen. Um den Beschluss zu verhindern, hat sie sich freiwillig verpflichtet, bis 2008 einen Grenzwert von 140 Gramm einzuhalten - und darauf hat die europäische Politik sich eingelassen. Da die Industrie ihr Versprechen aber voraussichtlich nicht halten wird, will die EU den Wert von 120 Gramm für 2012 nun verbindlich festschreiben. "Weg von den Sauriern" tagesschau.de: Könnten die deutschen Autobauer es Ihrer Ansicht nach bis 2012 denn überhaupt noch schaffen, die Grenzwerte einzuhalten? Lottsiepen: Die Produktion müsste sich verschieben: Hin zu Fahrzeugen, die weniger verbrauchen und weg von diesen großen Sauriern, die einfach nicht mehr zeitgemäß sind. Deutsche Autofirmen haben das Know-How, auch Fahrzeuge zu bauen, die deutlich weniger Sprit verbrauchen. Es gibt ja bereits solche Autos. Zum Beispiel hat der Volkswagenkonzern den Drei-Liter-Lupo auf den Markt gebracht und Audi hat einen A2 produziert, der auch nicht mehr benötigte. Doch diese Fahrzeuge wurden leider aus dem Programm genommen. tagesschau.de: Warum? Lottsiepen: Angeblich weil der Kunde sie nicht wollte. Ich glaube hingegen, die Hersteller haben einfach nicht genug auf diese Autos gesetzt und beispielsweise zu wenig Werbung gemacht. Viele Autos sind bereits heute auch gar nicht so weit weg von den angedachten Grenzwerten: Der A160 von DaimlerChrysler beispielsweise liegt bei rund 128 Gramm Co2-Ausstoß - und es sind ja auch noch ein paar Jahre Zeit bis 2012. Bei größeren Autos würde es manchmal schon helfen, sie ein bisschen leichter zu machen und die Motorleistung weiter zu optimieren - statt an Beschleunigungsvermögen und Höchstgeschwindigkeit zu arbeiten. tagesschau.de: Also auch große, hochpreisige Autos würden sich Ihrer Meinung nach in diesem Zeitraum umstellen lassen? Lottsiepen: Es ist bislang nicht die Rede davon, dass jedes einzelne Auto unter dem Grenzwert von 120 Gramm liegen muss, sondern die Autoflotten - zum Beispiel aller Mercedes-Autos - im Durchschnitt. Es könnte also kleine Autos geben, die bei unter 120 Gramm liegen, und große Fahrzeuge, die Werte von 160 oder 180 Gramm haben. Aber das ist Zukunftsmusik. tagesschau.de: Mit welchem durchschnittlichen Spritverbrauch wären die Grenzwerte einzuhalten? Lottsiepen: 120 Gramm CO2 entsprechen fünf Liter Benzin oder 4,5 Liter Diesel auf 100 Kilometer. tagesschau.de: Welches Auto ist denn das umweltverträglichste auf dem deutschen Markt? Lottsiepen: Das Ergebnis der letzten VCD-Auto-Umweltliste war ein Trauerspiel. Unter den Top Ten ist gerade Mal noch ein deutsches Auto: der Volkswagen Polo Blue Motion auf Platz sieben. Platz eins und zwei belegten Hybrid-Autos: Der Toyota Prius und der Honda Civic. tagesschau.de: Und welche Fahrzeuge sind die Schlimmsten? Lottsiepen: In der Liste weisen wir das nicht aus. Die schlimmsten Autos sind meiner Meinung nach aber Fahrzeuge von Ferrari oder Maserati. Dann kommen relativ schnell diese Touaregs und Q7: Die geländegängigen Luxuslimousinen, die einen Stierfänger vorne dran haben, sind im Grunde genommen die Allerschlimmsten. In Deutschland dürfen Sie ja fast nirgends Off-Road fahren. Die stehen in Schwabing, die stehen vor den angesagten Cafés im Halteverbot - aber sind im Gelände eigentlich nie zu sehen. Das ist Viagra in Chrom.
DonCamillo hat mich gebeten - unter Androhung einer Beule - auf diesen Artikel aus der Zeit hinzuweisen, der auf den Folgeseiten zu lesen ist. Gib doch Gas! Da Rußfilter verschmutzen, müssen Fahrer von Dieselautos regelmäßig auf die Autobahn – denn nur beim Rasen verbrennt der Dreck. Ein Irrsinn, der die Umwelt belastet und die Automobilisten viel Geld kostet. Zuerst staunte Herr K. nur. Als Reisereporter unterwegs im Gebirge, bemerkte er am Armaturenbrett des funkelnagelneuen Audi A4 1,9 TDI ein blinkendes Warnlämpchen. Das Kästchen mit Punkten, klärte die eilig konsultierte Betriebsanleitung auf, symbolisiere einen verstopften Rußpartikelfilter. Die Empfehlung: mindestens zehn Minuten auf freier Strecke fahren, und zwar schneller als 60 Kilometer pro Stunde. Herr K. schimpfte über den ökologischen Schwachsinn, tat aber, wie ihm geheißen. Und siehe, das Lämpchen erlosch. Bei der nächsten Reise war leider, als die Warnung erneut aufflackerte, keine freie Strecke zur Hand. Herr K. zockelte weiter durch enge Serpentinen – »plötzlich leuchtete ein ganzer Christbaum von Lämpchen auf«. Er musste das Auto abstellen, den Service anrufen. Der Audi wurde abgeschleppt, Herr K. nahm sich einen Leihwagen. Das Auto konnte er eine Woche später bei der Werkstatt abholen. Die notwendige Operation am Hightechfahrzeug, erfuhr er, heißt unter Spezialisten »manuelles Freibrennen«. Freibrennen – das war in den Sechzigern ein Thema unter Jugendlichen, die eine getunte Kreidler Florett fuhren und gelegentlich die Ölkohle im Auspuff abfackeln mussten. Piloten von Kleinflugzeugen geben vor dem Start gern noch mal Dauervollgas, um die Zündkerzen »freizubrennen«. Doch der Atavismus aus einer Zeit, als man fossile Brennstoffe fröhlich und bedenkenlos verheizte, hat gute Chancen, unter Autofahrern wieder zum Gesprächsthema zu werden.
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Experte im Gespräch mit tagesschau.de