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Mehr denn je entscheidet das Aussehen, ob ein Auto ein Verkaufshit wird. Der Druck ist groß wie nie. Ungewöhnliches wagt auch Chris Bangle. „Finden Sie dieses Auto hässlich?“, schrieb Business Week über ein seitenfüllendes Foto seiner jüngsten Kreation, der neuen 1er-Reihe von BMW. Zum Zeitpunkt der Vorstellung der ersten Formen und des neuen Designstils von BMW waren die Gemüter in Wallung. Viele traditionelle Käufer waren verstört, da Ihr ästhetisches Empfinden doch ein wenig erschüttert wurde.
Unkoordiniertes Blech
Über die „Ansammlung von unkoordiniertem Blech“ am Heck (VW-Designchef Hartmut Warkuss) wurde in der Öffentlichkeit ebenso viel diskutiert wie über die drehknopfgesteuerte Bordelektronik namens I-Drive.
„Darf man der Klientel so etwas zumuten?“, fragte nicht nur die Fachpresse.
Man darf, entschied der BMW-Vorstand und setzte noch eins drauf: Auch die 5er-Reihe, für den Konzern wegen der größeren Stückzahlen noch bedeutender als der 7er, wird im nächsten Jahr an die neue Optik angepasst – inklusive der umstrittenen steilen Abrisskante am Kofferraum.
Audis sahen schon besser aus
Doch Audis Stern ist in den vergangenen zwei Jahren verblasst. Als Stars der Szene gelten heute Mercedes-Designchef Peter Pfeiffer, 58, der Vater des neuen Mercedes SL und CLK. Der gelernte Porzellandesignern trimmt Mercedes auf sportlich und hat damit das Modellprogramm erfolgreich verjüngt.
Die andere Lichtgestalt ist Walter de'Silva, der erst der italienischen Marke Alfa Romeo mit den aufregenden Modellen 156 und 147 zu neuem Glanz verhalf, dann zu Seat wechselte und ab 1. März für die Gestaltung der gesamten Audi-Gruppe (Audi, Seat, Lamborghini) zuständig sein wird. Von de'Silva, der von sich behauptet „Ich zeichne auf jede Plattform ein aufregendes Auto“, erhoffen sich Audi wie Seat den Vorsprung durch Design.
An Chris Bangle scheiden sich die Geister.
An Chris Bangle dagegen, Chefdesigner von BMW in München, scheiden sich die Geister. „Seit Pischetsrieder und Reitzle nicht mehr da sind, machen die BMW-Designer, was sie wollen“, kritisiert AID-Analyst Peter Schmidt. Der künftige Vorstandschef Helmut Panke werde Bangle wieder enger an die Leine nehmen müssen, wenn er nicht die eigene Stammklientel verprellen wolle. „Der neue 7er ist ein Riesenschritt nach vorn“, glaubt hingegen Othmar Wickenheiser. Ein innovatives Auto könne man schließlich nicht im Blechkleid vergangener Tage verkaufen. „In zwei Jahren wird man über die Kritiker von heute den Kopf schütteln“, ist sich der Designprofessor sicher. „Es ist zwar gut Regeln zu brechen“, lobt Lutz Fügener, Professor für Autodesign an der Fachhochschule für Gestaltung in Pforzheim. „Der 7er ist aber im Detail, beispielsweise im Fugenverlauf, verbesserungsfähig“, kritisiert Fügener.
Harte Kritik
Den feinfühligen Bangle selbst hat die zum Teil harte Kritik getroffen, vor allem die aus der eigenen Zunft. „Ich hatte gehofft, man würde honorieren, dass wir etwas gewagt haben“, sagt er – in einem Satz übergangslos zwischen Englisch und Deutsch hin und her jonglierend – das Ganze noch garniert mit italienischen Brocken. „Ich bin enttäuscht, dass so viele Kollegen zurückschauen anstatt nach vorne.“ Durch seine ganz persönlichen Erfahrungen mit dem neuen Luxusschlitten fühlt sich der 45-jährige Amerikaner bestätigt. „Wenn ich mit dem Auto durch die Stadt fahre, winken die Leute mir zu und drehen sie sich um wie nach einem neuen Ferrari. Wem soll ich also glauben, denen oder den Kritikern?“
Die weltweite Nachfrage gibt BMW bisher recht: In Deutschland liegt die Zahl der Verkäufe innerhalb der Erwartungen, die Markteinführung in den USA läuft BMW zufolge sehr positiv.
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