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100.000 km E-Klasse W210 Kombi Drucken
Montag, 19. Juni 2006
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100.000 km E-Klasse W210 Kombi
Nachträge Januar 2007

Nach jetzt fast 100.000 km mit der E-Klasse W210 und viereinhalb Jahren steht der W210 doch recht propper da. Wenigstens auf dem Foto. Ich hatte den Wagen mir im Dezember 2001 neu gekauft, da mein alter W124, das Vorgängermodell mir über 370.000 km absolut zuverlässig seinen Dienst getan hatte. Wenn die Kinder das Auto mit Skiern und Skateboards vollpacken, oder ich einmal so kurz auf die Schnelle quer durch Deutschland musste, dafür ist der Kombi die erste Wahl und ein recht entspannt zu bewegender Kilometerfresser.

So war ich wegen der guten Erfahrungen mit dem Vorgänger W124(im wahrsten Sinne des Wortes) doch schnell entschlossen für den Mopf. So nennen die Schwaben die Modellpflege, das Fahrzeug mit der Technik des Nachfolgers und der Karosserie des Vorgängers. "Mopf", das klang so liebevoll wie das Wort Modellpflege welches Sorgfalt vermuten ließ, als wäre es doch ein besonders wertvolles Automobil. Und im Schwabenland keinen Daimler fahren und das noch in Affalterbach? Frevel. Ich kaufte unbedarft und so lehrte mich die E-Klasse ein neues Verständnis von schwäbischer Qualität. 

Da ich auch die Wartungen und Reparaturen alle selbst erledige, liegt der W20 mir eigentlich nicht auf der Tasche. Als ich dieses Frühjahr aber den Unterboden kontrollierte, war ich erst mal richtig niedergeschlagen. Hier ist das Bild der Sicherheitsgurtaufnahmen der Rücksitzbank von unten. Kann man wohl nicht mehr als Flugrost bezeichnen. Insbesondere sah der neue W210 nach dem ersten Jahr im Salz schon wesentlich angeschlagener aus als sein noch biederner, aber absolut unkaputtbarer  Vorgänger W124.

Auf der rechten Seite ein Foto wie der Unterboden sich jetzt nach vier Wintern darstellt. Da möchte man meinen, vielleicht hätte ich das Fahrzeug immer im Streusalz bewegt oder er stände in einer feuchten Garage. Nein. Nur, ich musste im Winter 2001 oft nach Berlin und bekannterweise ist das neue flüssige Streusalz enorm aggressiv. Ich selbst habe den Unterboden vor jeden Winter mit Teroson Wachs genau an diesen kritischen Stellen vorbeugend behandelt. Scheint allerdings nicht viel genützt zu haben. 

Dass der Unterboden jedoch so aufblüht, das hatte ich nicht erwartet. Jetzt dürfte nachvollziehbar sein, warum ich als Hobby "Restaurieren von alten Autos" angebe. Nein, im Ernst. So waren meinerseits gute Voraussetzungen gegeben, denn diesem Chaos am Unterboden war nur mit System und nicht mehr mit der Drahtbürste beizukommen. Andere gehen zum Rechtsanwalt. Ich holte die Sandstrahlpistole und den Kompressor aus dem Keller.

Ich fasse mich mal kurz und lasse die Bilder sprechen. Das ist nach der Sandstrahlorgie und vor dem Einwachsen mit Mike Sanders Fett. Alles hatte ich an einem (langen) Arbeitstag erledigt. Und das ist erst die Hälfte der Aktion. Seitenschweller und Vorderwagen sowie Türen werden noch folgen, sind aber nicht so kritisch und eher eine leichtere Übung.

Eine Drecksarbeit bleibt es trotzdem. Weil ich Sandstrahlen und Wachsen in derselben Montour erledigte. Hätte ich nicht tun sollen. Wachs und Sand im Haar ... Am Abend konnte ich gut nachvollziehen, was Teeren und Federn im Mittelalter annähernd bedeuten musste.

Die letzten vier Bilder zeigen den fertigen Stand, nach dem Sandstrahlen und vor dem Wachsen. Was hellsilber glänzt, ist mit einem speziellen rost hemmenden Chassislack für LKW lackiert. Nachträglich kommt dann Sanders (Absoluter Geheimtipp zur Rostverhinderung). Das muss aber 100 Grad Temperatur haben wenn es verarbeitet wird. Deswegen meinte ich oben "Teeren und Federn". 

 Unterboden li.  Unterboden re.  Heckabschluss Seitenteil re.

Eins habe ich mir und dem Auto geschworen: Wenn ich nach dem nächsten Winter nur noch ein Fünkchen Rost da unten sehe, dann bekommt er den Gnadenschuss! Ach, dass dann das Automatikgetriebe oftmals unmotiviert einen höheren Gang einlegt und einen Brummer hat im Schub bei 120 km/h damit einem im Winter die Ohren abfallen? Das Fehlerpech scheint an mir zu kleben. Reparaturkosten für das Automatikgetriebe würden ca. 3000 Euro sein. Wenn ich ihn ohne Reparatur verkaufe, verklagt mich noch jemand deswegen, wenn der Schaden bei ihm auftritt. Also, weiterfahren, bis das Getriebe abraucht. 

Man gewöhnt sich ja an vieles.  Habe schon vergessen, dass Heckklappe und Türen auch rosten. Das mit den Kundendienstmeistern auszukabbeln, ist Blödsinn. Der Aufwand, den ich hier betrieben habe, wird bei einer Nachbesserung nicht betrieben. Mit der Drahtbürste entrosten und einer Sprühdose über den Rost lackieren kann ich auch.

Weiterfahren werde ich ihn trotzdem. Ich möchte definitiv sehen, wie lange er erhält und ob diese Rostkur auch wirkt. 

Die Ursachen für diesen Rostbefall? 

Mercedes war wohl der Meinung, daß mit der Verwendung der Bonazink beschichteten Bleche sekundäre Rostschutzmassnahmen nicht mehr notwendig seien und verzichteteten gerade bei den letzten Baujahren fast vollständig auf Unterbodenschutz und Hohlraumversiegelung. Bei den letzten Baujahren verzichtete man sogar auf die Verzinkung der Türen. Heute zeigt sich, daß die Bonazink- Bleche, lackiert mit dünnen Wasserlack, in bestimmten Bereichen der Korrosion auf Dauer nicht standhalten, besonders an Schweißnähten und Falzen. Oder auch einfach billiges Blech verbaut. 



 
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