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Eigentlich habe ich jetzt zulange am Rechner gesessen - genau genommen bis 1:30 nachts. Ich war ein wenig "überdreht", da ich noch einige schwierigere Fixes auf dem Server bearbeitet hatte. Ich dachte mir: "Noch keine Zeit um ins Bett zu gehen. Morgen ist ja Feiertag".
Ich wollte doch nur ein wenig düsen und den Rest würde die Heizung besorgen.
Mein Weg führte aus dem Ort hinaus. Kein Gegenverkehr. Keine
Staus. Also, rauf auf's Gas, einfach frei und trotzdem vorsichtig laufen lassen. Nach vier Kilometern erschrak ich über eine
riesengroße Warnmeldung im Display.
***EPS- Werkstatt
aufsuchen! ***
Erst mal in den Stand ausrollen. Nachts auf der Landstraße. Ich hatte Glück, richtig Glück und kam genau in einer Parkbucht zu stehen. Nachstarten.... Nochmal ... Nochmal ? .... Nein, das wars erst mal. Der startet heute nicht mehr.Ich schaltete die Zündung ab und überlegte.
Das darf doch wohl nicht wahr sein!
dachte ich bei mir und verfluchte schon mal vorsorglich alle Stuttgarter Qualitätsfritzen auf einmal. Noch einmal schaltete ich die Zündung ein, startete nach, wieder nichts. Also Fahrlicht und Warnblinker aus, Standlicht aus - ich war ja in der Parkbucht - und angestrengt überlegen was das jetzt nur sein kann.
Die Torx-Werkzeuge um überhaupt zu schrauben - hatte ich bei mir. Eine klitzekleine LED-Taschenlampe von meinem Sohn als Weihnachtsgeschenk auch. Also, erst mal Motorhaube auf, denn das ist schon eine recht gute Grundaustattung. So stand ich vor dem Auto im Mondschein und leuchtete den Motorraum aus. Der war voll mit einer grünblauen Flüssigkeit. Kühlwasser? Diesel? Mal wieder diesen dämlichen Geschmackstest. Bähh.. Also, Diesel. Kühlwasser schmeckt besser. Verflixt, da ist vielleicht ein Druckschlauch ab. Der vom Vorfilter? Oder geplatzt? Naja, jetzt konnte ich auch laufen. Toll ,nachts um halb drei auf der Landstraße. Nein, das geht so nicht. Gut, dann war meine Entscheidung klar.
Nun ist mir doch der Torx in den Motorraum gefallen!
Also, in den Kofferraum und die Torx raus. Den 35er drauf, auf die Ratsche mit Verlängerung und die Abdeckung mit den 6 Schrauben runter. Irgendwie machte es kurz Klack, Klack.Ich versuchte vier, fünf Mal verzweifelt, den Torx zu greifen. Der letzte Weg ging bis hinunter zur Bodenwanne nur über Schmerzen. Dazu musste ich im Dunkeln - mit der Taschenlampe zwischen den Zähnen - bis zur Schulter in den engen Motorraum greifen, wo im normalen Fall nur eine Kinderhand Ihren Weg finden würde. Genau in diesem Moment kam eine junge Frau in einem Polo vorbei und hielt in sicherer Distanz kurz an. Sie schaute erschrocken und verwundert in meine Richtung. Sie sah ein schemenhaftes, fremdes Wesen mit der einen Hand im Motorraum eines unbeleuchteten Autos. Darüber hinaus schien es so, als ob es von selbst aus dem Mund mit grellweissem Licht leuchtete.
Ich widerum sah eine junge, hilflose Frau, welche offensichtlich gar nichts zu begreifen schien. Weder die Situation noch was Sie damit anfangen sollte. Sie schaute immer noch sichtlich erschrocken in meine Richtung. Dann radierte Sie Sekunden später mit jaulendem Motor und Reifen in Richtung des nächsten Ortes.
Wenigstens habe ich jetzt den Torx wieder...
Ich hatte, nachdem ich meine Arm wieder langsam mit Torx befreien konnte, doch schnellen Erfolg. Nicht vorzustellen wenn ich mit dem Arm da noch im Motorraum stecken geblieben wäre. Nachdem ich den Dieselschlauch an dem Clip wieder aufgesteckt und verriegelt hatte, konnte ich ölverschmiert und stark nach Diesel müffelnd den Motor beim dritten Mal Starten wiederbeleben. Zwar stotternd und spotzend, aber er saugte sich seinen Lebenssaft schon wieder von selbst rein. Nur Sekunden später verfiel er wieder in seinen beruhigenden stabilen Leerlauf. Zuhause verarztete ich erst meinen von den scharfen Blechkanten zerschnittenen linken Arm und ging schlafen.
Es war jetzt halb vier Uhr am Ostersonntag. Ich war nun auch richtig müde.
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