|
Dieser italienische Bub mit dem Spielzeugauto - er heisst dem Flaminio Bertoni - war uns schon 1924 um Lichtjahre voraus. Der kleine Flaminio begann als erster die 3D-Modellierung und gestaltete damit als junger Mann ein Fahrzeug, welches bis heute in seiner Formgebung zu recht als hoch visionär zu bezeichnen ist und sogar noch Jahrzehnte nach seinem Tod die gesamte Automobilindustrie prägt. Das Auto hält er verkehrt herum, was uns wahrscheinlich erst später oder gar nicht auffällt.
Er musste es verkehrt herum halten, denn das Auto hatte damals einen
vollverkleideten Unterboden! Bertoni war also ein echter Künstler, weit
mehr als nur ein Auto-Stylist. In allem was er anfasste, lag Talent.
Und Flaminio Bertoni hatte in seinem Leben viel angefasst. Geboren wurde er am 10. Januar 1903 im norditalienischen Masnago, Provinz Corno. Als Fünfzehnjähriger trat er bei der Firma Carrozzeria Macchi in Varese ein. Dort erlemte Flaminio Bertoni das traditionelle Karosseriebauhandwerk von der Pike.
Le "Traction Avant"
Das große Talent Bertonis fiel bei Citroen spätestens im Frühjahr 1933
auf. Die Suche nach der endgültigen Gestalt für den von Chefentwickler
Andre Lerebvre konzipierten neuen Frontantriebswagen erwies sich als
schwierig. Binnen zwei Tagen und zwei Nächten schuf der Italiener dann
ein Modell aus Plastilin, welches sowohl den Firmeninhaber als auch
dessen stets zu Rate gezogene Gattin stark beeindruckte.
Der Traction Avant war geboren. Bertoni bekam grünes Licht für seine Ideen und avancierte zum Formgeber des Traction-Avant-Projekts. Ungewöhnlich und schnell, ja fast manisch war Flaminio Bertonis Arbeitsweise. "Er war von seinen Ideen oft wie besessen. Kaum hatte er seine Arbeiten für Citroen erledigt, widmete er sich der eigenen Betätigung als freier Künstler.
Der nächste Coup "La Deesse" Die Göttin Citroen DS
Bertoni scheint der erste Autodesigner gewesen zu sein, der konsequent Plastilin als Werkstoff einsetzte. Er begann meist nicht mit zeichnerischen Entwürfen, sondern damit, seine Ideen dreidimensional zu formen - oder aber er überprüfte sie zumindest immer auf diese Art. Nach nur zwei weiteren legendären Nächten war der neue Frontantriebs-Citroen fertig.
Eigentlich hatte Bertoni schon die vierte Dimension erreicht. Er war seiner Zeit mit diesem Entwurf um Jahrzehnte voraus. Kein Fahrzeug erreicht bis heute diese hohe Messlatte. Und das geschah in zwei Nächten im Sommer 1946 - also vor rund sechzig Jahren!
|